Editorial


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege,

«Ich habe den Verdacht, dass beim Denken die Späne, die wegfliegen, nicht der Abfall sind, sondern das Produkt.» (Roland Morgenstern)

Dieser Spruch passt jedenfalls gut zu der Art und Weise wie dieses Editorial zustande gekommen ist. Solange ich versuche auf Biegen und Brechen zu einem ganz bestimmten Inhalt, den ich gerne hier erwähnt hätte, einen Text zu generieren, trete ich auf der Stelle und komme nicht weiter. Man denkt dann krampfhaft nach, um am Ende festzustellen, dass genau die Punkte, die einem nur am Rande in den Sinn kommen, nachher das eigentliche Ergebnis darstellen. Dies trifft aber sicher nicht nur auf das Schreiben von Vorworten zu, sondern wahrscheinlich auf alle möglichen Bereiche, in denen wir vor einem Problem stehen, das es aktiv zu lösen gilt. Einerseits ist diese Erkenntnis recht ernüchternd, weil man einsehen muss, dass man keine Kontrolle über den eigenen Denkprozess hat und damit keinen ausreichenden Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann. Andererseits nimmt sie einem aber auch den Druck und schlägt vor, den Gedanken einfach ihren Lauf zu lassen und darauf zu vertrauen, dass am Ende ein Ergebnis vorliegt.

Vertrauen muss man aber nicht nur in den eigenen Denkprozess haben, sondern auch in die eigenen Entscheidungen, vor allem, wenn sie nachhaltige Veränderungen mit sich bringen, wie das für unsere Hilde Stöckli der Fall ist. Sie hat sich entschieden eine ganz neue Richtung einzuschlagen und verlässt uns als Leiterin der Weiterbildungsabteilung der SAL. Auf diesem Weg möchte ich mich im Namen aller Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich für ihr langjähriges, wertvolles Engagement, die vielen Weiterbildungskurse und CAS und für zahlreiche anregende Gespräche bedanken und ihr mit den Mut machenden Worten von Mark Twain alles Gute wünschen: «In zwanzig Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die Du getan hast. Also löse den Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen aus. Erfasse die Winde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume.»

Wenn jemand geht, kommt auch immer jemand Neues und so begrüsse ich im gleichen Zug Hildes Nachfolgerin Anja Apfelbeck. Ich wünsche ihr einen guten Start und viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer vielen Ideen.

Diese personellen Veränderungen sind jedoch nicht das einzige, was in dieser Phase des Umbruchs (oder wie Hilde Stöckli vielleicht bevorzugen würde: an der SAL / SHLR ist vieles in Bewegung gekommen) vor sich geht. So wird ab dem nächsten Jahr auch das SAL-Bulletin eine Weiterentwicklung erfahren. Es erscheint als Fachzeitschrift mit dem neuen Namen «logopädieschweiz» in Zukunft mit einem grösseren Anteil an Fachbeiträgen, einer anderen Rubrikanordnung und einem Blick über die Landesgrenzen hinaus nach Österreich und Deutschland. Dabei legen wir Wert darauf die gewohnte Klarheit, Grosszügigkeit und Schlichtheit beizubehalten.

In dieser letzten «traditionellen» Ausgabe finden Sie zwei Fachbeiträge, die ganz unterschiedliche Themen behandeln. Christoph Till, Barbara Rindlisbacher, Julia Winkes und Erich Hartmann erläutern die Adaption des TROG-D zur Erfassung von Satzverständnisschwierigkeiten im Schweizerdeutschen. Und im zweiten Beitrag gehen Jürgen Steiner und Marie-Luise Otto auf eine Befragung zur Behandlung von auditiven Verarbeitungsschwierigkeiten im Zusammenhang mit Spracherwerbsstörungen ein.

Ich wünsche Ihnen einen schöne, besinnliche Adventszeit und einen guten Start in das Neue Jahr!

Herzliche Grüsse

Mirja Bohnert-Kraus, Redaktorin