Editorial

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege,

 

«Verwicklungen zu vereinfachen ist in allen Wissenszweigen der erste wesentliche Erfolg» 
Henry Thomas Buckle.

 

Die Juni-Ausgabe von logopädieschweiz beinhaltet zwei Fachartikel, die sich mit dem Thema Pragmatik befassen. Zum einen strebt Prof. Dr. Jürgen Steiner eine Vereinfachung an und setzt sich mit den Begrifflichkeiten zur Pragmatik auseinander und für einen Fokus auf die Pragmatik in der Therapie ein. Zum anderen thematisieren Dr. Julia Büttner-Kunert und Sarah Blöchinger Pragmatische Störungen bei Demenz und stellen eine Einzelfallanalyse vor. 


Befragt man den Duden nach einer Definition von Pragmatik, dann erhält man als allgemeine Bedeutung unter anderem Orientierung auf das Nützliche und als linguistische Bedeutung Lehre vom sprachlichen Handeln. Dabei könnte die allgemeine Bedeutung auch für die linguistische Bedeutung herangezogen werden. Was nutzt ein grosser Wortschatz oder anders geartete sprachliche Gewandtheit, wenn es nicht gelingt, diese zum Zweck der zwischenmenschlichen Kommunikation einzusetzen. Wer den Fokus auf die Pragmatik legt – linguistisch wie allgemein – der folgt dem ICF-Gedanken und handelt im Sinne der Patientinnen und Patienten. Dem würde wahrscheinlich der Grossteil an Logopädinnen und Logopäden zustimmen; trotzdem richtet sich das Vorgehen aus der Tradition heraus häufig nach anderen Kriterien. Würde man das ändern wollen, die Pragmatik als Ausgangspunkt sehen und die anderen linguistischen Teilbereiche ihr unterordnen, bräuchte es ein generelles Umdenken. 


Der dritte Fachartikel von Nathalie Berchtold behandelt die Normierung des Mottier-Tests und schlägt für fünfjährige Kinder eine Einschätzung in Halbjahresschritten vor. Das Nachsprechen von Pseudowörtern erscheint auf den ersten Blick keineswegs eine sprachliche Leistung zu sein, die der Kommunikation untereinander dient, also Pragmatik weit gefehlt. Allerdings hat sich der Mottier-Test als ein sehr valides Verfahren zur Differenzierung zwischen sprachauffälligen und sprachunauffälligen Kindern hervorgetan und dies mit der sehr einfach durchzuführenden Aufgabe des Nachsprechens – also doch pragmatisch. 

 

Ich wünsche Ihnen viel Erkenntnis beim Lesen der Fachartikel sowie der anderen Inhalte dieser Ausgabe und hoffe Sie finden einen pragmatischen Weg zwischen Nützlichkeit und Freiheit, um diesen Sommer in vollen Zügen geniessen zu können.
 

 

Herzlich
Mirja Bohnert-Kraus, Redaktorin

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