Editorial

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege,

 

Auch, wenn man sich eigentlich nicht ständig und in jeglichem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie befassen will, kann man sich einem so allgegenwärtigen Thema kaum entziehen. So stösst man auch in der logopädischen Fachliteratur zunehmend auf Inhalte, die sich um die Covid-19 Erkrankung direkt oder um ihre Auswirkungen auf das persönliche oder berufliche Leben drehen. Das ist auch in der vorliegenden Ausgabe von logopädieschweiz der Fall.

 

Zum einen stellt der Fachartikel von Stierli et al. einen Fall eines schwer erkrankten, beatmungspflichtigen SARS-CoV2 Patienten vor, in dem u. a. die interdisziplinäre Betreuung dieser Patienten im Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil veranschaulicht wird. Zum anderen findet sich bspw. unter der Rubrik «Aus der Schweiz und den Nachbarländern» eine Information über ein Forschungsprojekt der katholischen Hochschule Mainz, das sich mit Telediagnostik und Teletherapie bei neurogenen Sprachstörungen beschäftigt – einem Themenfeld, das aufgrund der beruflichen Einschränkungen von Logopädinnen und Logopäden derzeit sehr an Bedeutung gewonnen hat und schon ganze Themenhefte logopädischer Fachzeitschriften gefüllt hat. Das zeigt, dass nicht nur Branchen wie die Medizin oder Pharmazie in ihren forscherischen Tätigkeiten schnell auf derartige Veränderungen des Forschungsfokus reagieren, sondern auch in der Logopädie nichts unversucht gelassen wird, einen Beitrag gegen die Auswirkungen der Pandemie zu leisten.

 

Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen steht die Logopädie hier aber – wie auch schon zuvor – vor dem Problem, zum einen nicht im Blickfeld potentieller Forschungsförderer zu stehen und somit mehr Schwierigkeiten bei der Akquise von Forschungsgeldern zu haben und zum anderen aufgrund der häufig deutlich komplexeren Untersuchungsanlagen und nur schwer oder nicht kontrollierbaren Einflussfaktoren keine Forschung mit grösseren Stichproben (am besten noch im geforderten Design einer randomisierten kontrollierten Studie) durchführen zu können. Das Ausweichen auf kleinere Probandenzahlen oder Einzelfallanalysen darf hierbei aber keineswegs kritisiert werden. Vielmehr ist das die einzige und vernünftigste Herangehensweise, die gewählt werden kann, um sich einem Sachverhalt, über den noch so wenige Erkenntnisse vorliegen, anzunähern. Und dies gilt nicht nur im Zusammenhang mit Forschung zur Corona-Pandemie, sondern ganz generell für blinde Flecken auf der Forschungslandschaftskarte.

 

So handelt es sich nicht nur bei dem bereits genannten Fachartikel um eine Einzelfalldarstellung, sondern auch bei dem Fachartikel von Vetsch et al., der sich mit Wirkfaktoren der Entwicklungspsychologischen Sprachtherapie befasst. Speziell mit dem in diesem Editorial zum Thema gemachten Bereich der externen Evidenz, beschäftigt sich auch der Fachartikel von Haid und Steiner. Sie kritisieren die ausschliessliche Fokussierung auf die Forderung nach externer Evidenz und stellen den Wert der internen Evidenz, also der therapeutischen Erfahrung der Logopädinnen und Logopäden, heraus. Auch wenn externe Evidenz fehlt, ist das therapeutische Handeln keineswegs willkürlich, sondern folgt systematischen, qualitätssichernden Leitplanken.

 

Diese therapeutische und forscherische Freiheit stellt – wie auch die Freiheit im privaten Leben – ein sehr hohes Gut dar. Im Privaten sehen wir dieses hohe Gut aufgrund der Massnahmen gegen die Pandemie zurzeit massiv bedroht. Aber «die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.» (Albert Einstein)

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gutes Durchhalten in dieser schwierigen Zeit und hoffe, dass Sie meinen unverbesserlichen Optimismus teilen können, dass das Schlimmste hinter uns liegt.

 

Herzlich
Mirja Bohnert-Kraus, Redaktorin

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