Editorial

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege,

 

«Schwächen können zu Stärken werden, wenn man sie als Antrieb nutzt.» 
Benjamin Ferencz.

 

Schwächen sind überall anzutreffen und wir brauchen sie, um überhaupt zu handeln. Beispielsweise haben alle Forschungsprojekte zunächst einmal eine Schwäche im Ursprung, die überhaupt erst den Grundstein für das Forschungsvorhaben legt. Dann haben die Projekte selbst ihre Schwächen, die aber, wenn man sich ihnen bewusst ist, zum Beispiel dazu genutzt werden können, im weiteren Verlauf Optimierungen anzustreben. 


Bekannt ist auch die Schwäche des kleinen Kindes, der Lautsprache noch nicht mächtig zu sein. Diese Schwäche wird jedoch als Antrieb genutzt, sämtliche anderen Mittel einzusetzen, um dennoch zum Ziel in der zwischenmenschlichen Kommunikation zu gelangen.

 

Meine Schwiegermutter meinte kürzlich, ich wisse immer was mein nun mittlerweile 13 Monate alter Sohn will. Tatsächlich ist das auch sehr oft der Fall. Ich betrachte das jedoch nicht als eine mütterliche Kompetenz, sondern vielmehr als das Resultat seiner absolut eindeutigen Kommunikationsfähigkeit, was ich in diesem Alter schon beachtlich finde. Zwar verwendet er inzwischen auch schon eine ganze Reihe an zum Teil lautlich stark abweichenden Wörtern, aber vor allem setzt er sehr gezielt Mimik und Gestik und wenn es sein muss auch seinen ganzen Körper ein. Auf diese Weise werden Bananen und Pflaumen aber auch konkretes Spielzeug bestellt, die Hunde-Wasserschüssel aufgefüllt, eine Wiederholung einer Tätigkeit eingefordert oder eine zehnte Runde an der Hand durch den Alpakastall gedreht. Grosse Anteile dieser Kommunikation können dem Bereich der Pragmatik zugesprochen werden und entwickeln sich parallel zu anderen sprachlichen Fähigkeiten.

 

Um diese pragmatische Entwicklung geht es im Fachartikel von Daniela Bühler, die sehr anschaulich wichtige Entwicklungsschritte präsentiert. Diesem folgt ein Fachartikel von Wilma Schönauer-Schneider ebenfalls zum Thema Pragmatik, genauer zur pragmatischen Förderung.
Der dritte Fachartikel behandelt ein ganz anderes Thema. Darin geht es um unterschiedliche Erstlese- und Schreiblehrmittel und deren Einfluss auf den Schriftspracherwerb der Kinder. Der Artikel fasst ein sehr umfangreiches Master-Projekt von Michelle Auderset und Ilona Spiess zusammen.
Ebenfalls in dieser Ausgabe finden Sie Abstracts der besten SHLR-Bachelorarbeiten dieses Jahres, die bei näherem Interesse auch ausgeliehen werden können.

 

Vielleicht stossen Sie beim Lesen auf die eine oder andere Schwäche im Forschungsstand zu einem Thema oder in der Umsetzung eines Projekts. Vielleicht treibt Sie dies dazu an, sich mit dem entsprechenden Bereich eingehender zu befassen oder noch mehr dazu zu lesen. 


Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Freude mit der Lektüre und einen wunderschönen goldenen Herbst.

 

Herzlich
Mirja Bohnert-Kraus

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