Editorial

«Inspiration beginnt, wenn wir genug wissen, um nichts mehr zu verstehen.»


Dieses Zitat, das ursprünglich von Walter Fürst stammt, habe ich direkt dem Fachartikel von Monica Bürki Garavaldi entnommen, der sich mit dem Thema Inspiration in Führungs und Therapieprozessen befasst. Zitate lassen sich natürlich immer auf unterschiedliche Weise interpretieren, aber für mich besteht eine Kernaussage darin, dass man zunächst einmal sehr viel zu etwas wissen muss, um den Grad der Ahnungslosigkeit überhaupt erst erfassen zu können. Erst, wenn man sich in einem Bereich gut auskennt, weiss man, was man alles nicht weiss. Und diese Erkenntnis inspiriert dann zu neuen Überlegungen und neuen Herangehensweisen.


Derartige neue Herangehensweisen zeichnen sich auch in den anderen drei Fachartikeln dieser Ausgabe ab. So übertragen Andrea Haid und Franziska Portmann ein methodisches Vorgehen aus der Lehrerausbildung auf die logopädische Berufspraxis im Rahmen des Studiums. Christoph Collmann und Jürgen Steiner wollen über den Einsatz eines Gesprächscoachings die Kommunikation zwischen Aphasiepatienten und ihren Angehörigen verbessern und im vierten Artikel geht es um die neue Terminologie und Definition von Sprachentwicklungsstörungen. Dabei werden das Positionspapier von Christina Kauschke und Susanne Vogt sowie die gemeinsame Stellungnahme der involvierten Schweizer Institutionen, Gesellschaften und Verbände präsentiert.


Alle diese Überlegungen sind entstanden, weil sich aufgrund der ausgeprägten Auseinandersetzung mit den jeweiligen Bereichen Lücken offenbart haben, die mit den bisherigen Sicht- und Vorgehensweisen nicht oder nur unzureichend zu schliessen waren. Die Ergebnisse sind aber nicht alleine der Inspiration zu verdanken – sie gibt nur den Anstoss – der Rest ist zum Teil harte Arbeit.


Und es gibt unterschiedliche Arten von Arbeit. Solche, die einfach erledigt wird und solche, in der man völlig aufgehen kann. Letztere ist besonders wertvoll. Geht man einer solchen Arbeit nach, so spielt keine Rolle mehr, was um einen herum geschieht und womit man sich, ausser dem aktuellen Thema, im Leben noch zu befassen hat. Man vergisst sozusagen Raum und Zeit. Ein Gedanke führt zum nächsten; ein Handgriff führt zum nächsten. Im Vordergrund steht das Tun, nicht das Ergebnis, wenngleich das Ziel immer klar vor Augen ist. Solche Flow-Erlebnisse führen zu hoher Zufriedenheit ohne viel Kraft zu kosten, denn «[s]tarke Leidenschaften erheitern den Horizont des Daseins; bewegen ohne zu ermüden; erwärmen ohne zu verzehren.» (Ernst von Feuchtersleben)

 

Es lohnt, für sich selbst herauszufinden, bei welchen Tätigkeiten – beruflich wie privat – eine solch tiefe Versenkung erreicht werden kann. Vielleicht ermöglicht Ihnen ja der herannahende Jahreswechsel – neben dem Rückblick auf das Geschehene, Zeit zur Ruhe zu kommen und der Konzentration auf das Wesentliche – auch in dieser Hinsicht eine inspirierende Besinnung.


Ich wünsche Ihnen eine ruhige Advents- und Weihnachtszeit im Kreise Ihrer Liebsten und alles Gute für das neue Jahr.

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