Die Therapie bei vorliegender LRS ist eine gezielte, meist mehrjährig andauernde Massnahme, die darauf abzielt, die Lese- und Schreibfähigkeiten durch individuelle Diagnostik, speziell ausgebildete Fachkräfte und evidenzbasierte Ansätze deutlich zu verbessern. Die Betreuung bei vorliegender LRS ist kantonal geregelt, was mit unterschiedlichen Umsetzungen einhergeht.
Die Differenzierung zwischen Förderung und Therapie ist bei der Behandlung von LRS von zentraler Bedeutung, da beide Ansätze unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen. Während Förderung pädagogisch ausgerichtet ist und darauf abzielt, allgemeine Lernrückstände im Lesen und Schreiben auszugleichen, setzt Therapie eine diagnostizierte Lese-Rechtschreib-Störung voraus und verfolgt einen gezielten, individuell abgestimmten Behandlungsansatz. Eine fehlende Differenzierung kann dazu führen, dass betroffene Kinder nicht die Unterstützung erhalten, die sie tatsächlich benötigen.
Die Therapie von LRS (auch ohne vorliegende Sprachentwicklungsstörung SES) gehört in das Aufgabengebiet der Logopädie. Logopädinnen und Logopäden bringen hierfür die Fachkompetenzen mit. Ihr Aufgabengebiet ist laut EDK (Reglement gültig ab 01.01.2024, 1 f.) wie folgt definiert: «Logopädinnen und Logopäden arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und sind im Frühbereich, im Bereich der schulischen Bildung, in Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie in selbstständigen Praxen tätig. Sie sind ausgebildet für evidenzbasierte Prävention, Erfassung und Diagnostik, Therapie, Förderung, Beratung, Rehabilitation bei Störungen der Kommunikation, der mündlichen und schriftlichen Sprache, des Sprechens, der Stimme, des mathematischen Verständnisses, des Schluckens und des orofazialen Bereichs.» Logopädinnen und Logopäden verfügen über sehr fundierte Kenntnisse über die Vorläuferfähigkeiten der Schriftsprache, die Entwicklungsstufen/den Aufbau beim Lesen und Schreiben, die sensorische und neurologische Verarbeitung sprachlicher Informationen (mündlich und schriftlich) sowie die Vermittlung von Strategien und bringen eine ganzheitliche Perspektive auf die sprachlichen Fähigkeiten von Erwerb bis Verlust mit. Analog der Behandlung der Störungen im Bereich der gesprochenen Sprache/Kommunikation werden Komorbiditäten auch bei der LRS-Therapie entsprechend berücksichtigt und die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen bestmöglich in ihren schriftsprachlichen Kompetenzen gefördert/therapiert.
Die sal unterstützt und empfiehlt die Therapie bei LRS (auch ohne vorliegende Störung der gesprochenen Sprache) durch Logopädinnen und Logopäden. Die Gesamtperspektive der Therapie bei LRS liegt in der Verantwortung der Logopädie, wobei die vorliegende Diagnostik und damit die diagnostizierten Schwerpunkte entscheidend sind, ob der Beizug/Wechsel zu einer Schulischen Heilpädagogin beziehungsweise einem Schulischen Heilpädagogen (SHP) sinnvoll ist. In der Praxis zeigt sich, dass in die Behandlung von LRS oft SHP involviert sind. Dies erfolgt (im Kanton St. Gallen) aufgrund kommunaler Förderkonzepte, welche die Schulbehörde zu verantworten hat. Aufgrund des gegenwärtigen Fachkräftemangels in der Logopädie und einer sinnvollerweise zeitnahen Behandlung der Betroffenen ist aus fachlicher Sicht auch die phasenweise Übernahme der LRS-Therapie (z. B. zur Erarbeitung orthografischer Regeln, Transfer in den schulischen Alltag) durch die SHP zielführend.
Im Zertifikatslehrgang «Diagnostik und Therapie bei Lese-Rechtschreib-Störungen» der hlo erwerben Fachpersonen aus Logopädie und Schulischer Heilpädagogik aktuelles und wissenschaftlich fundiertes Wissen zur Diagnostik, Therapie und Beratung bei LRS, was eine gezielte, fachlich fundierte und patientenzentrierte Betreuung der betroffenen Personen und deren Umfeld ermöglicht. Weitere Informationen sind unter CAS «Diagnostik und Therapie bei Lese- Rechtschreibstörungen» 2025/26 – Hochschule für Logopädie Ostschweiz zu finden.
